Was tun gegen Alzheimer

Alzheimer ist kein Schicksal, das im Alter zwangsläufig zuschlägt. Diesen Irrglauben kultivieren Forschung und Pharmaindustrie bewusst – weil er für sie profitabel ist. Die wahren Ursachen der Krankheit liegen in einer zunehmend unnatürlichen Lebensweise. Das heißt: Alzheimer ist vermeidbar, und du kannst viel dafür tun, dein Risiko einer Erkrankung entscheidend zu reduzieren.

Um uns an Dinge erinnern zu können, bilden sich im Hippocampus ständig neue Nervenzellen.

Wann lag dir das letzte Mal ein Name auf der Zunge, ein Musiktitel oder ein Passwort, und du hattest Mühe, dich daran zu erinnern? Vielleicht hast du dich eine Weile geärgert – bis es dir dann doch noch eingefallen ist. Ältere Menschen, denen derartiges immer öfter widerfährt, packt dabei schnell die Angst: Ist das schon Alzheimer?

Um die gefürchtete Krankheit zu verstehen, die Menschen Stück für Stück ihr Erinnerungsvermögen raubt, müssen wir uns zunächst ansehen, wie Erinnerung überhaupt funktioniert. Eine Schlüsselstellung nimmt dabei der Hippocampus ein, der Bereich des Gehirns, in dem das Gedächtnis entsteht. Im Hippocampus wird Erlebtes verarbeitet, dort werden aus Erlebnissen Erinnerungen und aus Erfahrungen Einsichten.

Erleben wir bspw. eine Situation, werden unsere Eindrücke über Synapsen und Neuronen im Hippocampus zwischengespeichert. Dabei entstehen Nervenzellen, die Informationen langfristig speichern – ein Prozess, der Neurogenese genannt wird. Gefühle spielen hierbei eine wichtige Rolle: Sind die Erlebnisse nicht gefühlsmäßig aufgeladen, werden sie als unwichtig markiert und nicht gespeichert.

Für die Neurogenese ist es außerdem wichtig, dass die bestehenden Nervenzellen im Hippocampus regelmäßig aktiviert werden, denn nur so können auch neue Neuronen entstehen. Sonst passiert das genaue Gegenteil: Die bestehenden Zellen werden Stück für Stück abgebaut, was zur Folge hat, dass Dinge vergessen werden.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir immer wieder Schlüsselreize bekommen, also Dinge erleben, die uns besonders, aufregend und neu erscheinen und die uns berühren. Werden unsere Nervenzellen immer wieder angesprochen, wächst der Hippocampus beständig weiter. Bei Taxifahrern etwa, das zeigte eine Studie, ist häufig der hintere Teil des Hippocampus vergrößert, denn dort liegt das Ortsgedächtnis. Je mehr berufliche Erfahrung die Taxifahrer in der Studie hatten, desto mehr Nervenzellen hatten sich in diesem Bereich gebildet.

Ganz ähnlich funktioniert auch das Langzeitgedächtnis, in das die im Hippocampus nur zwischengespeicherten Informationen über eine spezielle Nervenfaserbahn, den Tractus perforans, gelangen. Wenn dieser Teil ebenfalls nicht regelmäßig aktiviert wird, sterben auch hier Nervenzellen ab und die Gedächtnisleistung schwindet.

Dieser wichtige Prozess der Neurogenese kann bis zum Lebensende anhalten – wenn er nicht durch bestimmte Nervengifte gestört wird. Doch welche Gifte sind das?

Eine erhöhte Konzentration des körpereigenen Proteins Beta-Amyloid im Gehirn erhöht das Alzheimer-Risiko.

Das Protein, das die Entstehung von Alzheimer verursacht, produziert unser Gehirn selbst. Eigentlich hat es eine Schutzfunktion. Reichert sich jedoch eine zu große Menge dieses Proteins im Gehirn an, wirkt es zerstörerisch wie ein Gift.

Es handelt sich um das Protein Beta-Amyloid, das hochaktive Synapsen vor giftigen Stoffen im Gehirn schützt. Beta-Amyloid begrenzt z.B. die Freisetzung von Glutamat im Gehirn. Glutamat ist an sich nicht gefährlich. Kommt es aber, etwa aufgrund von Stress, zu einer erhöhten Glutamatproduktion, können Synapsen dauerhaft überreizt werden.

Um eine solche Überreizung zu verhindern, braucht das Gehirn also Beta-Amyloid. Wird allerdings zu viel davon produziert, kann der wichtige Stoff zu sogenannten Beta-Amyloid-Plaques verkleben. Genau das geschieht v.a. bei chronischem Stress und Überbelastung: Eine Überdosis Beta-Amyloid gelangt in den Hippocampus und lagert sich dort mit der Zeit in Form von Plaque im Tractus perforans ab, der Nervenverbindung zum Langzeitgedächtnis.

Nach und nach zerstören die Plaques die Synapsen, die den Hippocampus mit dem Langzeitgedächtnis verbinden, sodass im Langzeitgedächtnis gespeicherte Erinnerungen nicht mehr richtig abgerufen und auch keine neuen mehr abgespeichert werden können. Haben sich die Plaques einmal im Tractus perforans angelagert, können sie von dort aus auf den Hippocampus und sogar auf das gesamte Gehirn übergreifen, wo sie alle Neuronen befallen und zerstören. Die Beta-Amyloid-Plaques sind also das eigentliche Alzheimer-Toxin.

Entdeckt hat sie der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer schon 1906. Seine Patientin Auguste Deter war verwirrt und orientierungslos in die Städtische Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt eingeliefert worden und verstarb dort. Alzheimer untersuchte das Gehirn der Frau. Neben einem beträchtlichen Gehirnschwund aufgrund von Neurodegeneration, also einem massiven Abbau von Synapsen und Neuronen, fand er auch die beschriebenen Beta-Amyloid-Plaques.

Wir haben es hier mit einem Grundsatz zu tun, den der Arzt Paracelsus bereits im 16. Jahrhundert beschrieb: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei.“

Beginnt das Gift, sich außerhalb des Hippocampus anzulagern, ist die Krankheit nicht mehr aufzuhalten.

Alzheimer ist auch deswegen so gefürchtet, weil die Entwicklung der Krankheit ab einem bestimmten Stadium nicht mehr zu stoppen ist. Ursache ist hier wiederum das Neurotoxin Beta-Amyloid.

Unumkehrbar wird Alzheimer genau ab dem Zeitpunkt, wenn Nervenzellen außerhalb des Hippocampus von den Beta-Amyloid-Plaques betroffen sind. Einmal angelagertes Beta-Amyloid führt dann automatisch dazu, dass der Körper immer mehr des schädlichen Proteins produziert: Weil nämlich die Beta-Amyloid-Plaques die Neuronen zerstören, müssen immer weniger Synapsen die aufgenommenen Informationen verarbeiten. Das führt zur Überreizung der noch funktionierenden Synapsen, zu deren Schutz noch mehr Beta-Amyloid produziert wird. Dieses bildet aber wiederum Plaque und zerstört immer mehr Synapsen – ein Teufelskreis.

Der zerstörerische Prozess läuft zwar unaufhaltsam, aber verhältnismäßig langsam ab. Patienten, bei denen Alzheimer diagnostiziert wird, leben im Durchschnitt noch sieben Jahre. Bei einer gesunden Lebensführung können daraus aber auch 15 bis 20 Jahre werden.

Die Krankheit verläuft in fünf Phasen, an deren Ende ein kompletter Verlust des Gedächtnisses und der Identität steht. In der ersten Phase, der vorklinischen Erkrankung, zeigen sich noch keinerlei verhaltensauffällige Symptome. Sie wird noch im Jugendalter eingeleitet durch eine langfristige Hemmung der Neurogenese im Hippocampus, verursacht z.B. von wiederholten Alkoholexzessen.

Die zweite Phase führt bereits zu Schädigungen des Tractus perforans, es kommt zu leichten kognitiven Beeinträchtigungen, etwa einem schwächeren Geruchssinn oder Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden.

In der folgenden Phase sind Erinnerungs- und Organisationsschwierigkeiten bereits auffällig. Auch die emotionale Intelligenz und persönliche Eigenarten gehen verloren. Der Erkrankte verlegt Dinge, Schuhe verschwinden und tauchen an unerwarteten Orten – z.B. im Kühlschrank – wieder auf.

In der sogenannten moderaten Erkrankung, der vierten Phase, erhalten nun auch die letzten gesunden Neuronen keine Signale mehr und sterben ab. Die motorischen Fähigkeiten lassen stark nach, Betroffene leiden unter Halluzinationen und Paranoia-Anfällen. Ab diesem Stadium ist eine Pflege in der Familie kaum noch möglich.

Die Spätphase führt schließlich zu einem völligen motorischen Ausfall und Immunsystemerkrankungen, die häufig tödlich enden. So starb auch die von Alois Alzheimer betreute Auguste Deter vermutlich an einer Immunsystemerkrankung.

Die Alzheimer-Krankheit führt also in den meisten Fällen zu einer langen, unaufhaltsamen Leidensphase. Umso größer ist die Hoffnung auf Heilung bzw. darauf, die Krankheit gar nicht erst zu bekommen. Doch diese Hoffnung lässt die gängige Lehrmeinung kaum zu.

Versuche, Alzheimer-Erkrankungen mit Medikamenten, Impfungen und Stammzellentherapien aufzuhalten, sind fragwürdig.

Die eigentliche Ursache der Alzheimer-Krankheit bleibt in den herkömmlichen Erklärungsansätzen unklar. Das Einzige, was man sicher weiß, ist, dass eine Häufung von Beta-Amyloid-Plaques ein sicheres Anzeichen für Alzheimer ist.

Deshalb konzentriert sich die Forschung bisher darauf, die Produktion des Proteins im Körper zu bekämpfen. Meist wird das mit Medikamenten versucht. Doch das kann auf lange Sicht nicht wirken, ist unter Umständen sogar kontraproduktiv, denn Beta-Amyloid hat ja in natürlicher Konzentration eine wichtige Schutzfunktion. So zeigen denn auch langfristige Studien, dass Medikamente, die die Produktion des Proteins im Körper hemmen, zu massiven Störungen im Immunsystem führen können.

Alternativ gibt es Überlegungen, Alzheimer mit einer Stammzellentherapie zu heilen. Doch auch diese Methode ist umstritten. Der Grund: Stammzellen brauchen eine geeignete Umgebung, in der neuronale Vorläuferzellen produziert werden und zu Neuronen heranreifen können. Diese Umgebung bietet der Hippocampus. Die Diagnose erfolgt jedoch zumeist in einer Phase, in der schon außerhalb des Hippocampus Nervenzellen zerstört werden. Weil die Stammzellen aber ausschließlich im Hippocampus wirken, ist eine vollständige Genesung so nicht mehr erreichbar.

Deshalb wird auch versucht, genetisch veränderte Stammzellen zu implantieren, die den Impuls zur Neurogenese bereits in sich tragen. Die Gefahr eines potenziell ungehemmten Wachstums wird dabei allerdings meist verschwiegen. Die unkontrollierte Produktion neuer Zellen könnte das Gehirn zu viel Energie kosten oder sogar das Hirnvolumen sprengen.

Eine andere Richtung besteht darin, Betroffene mit Impfungen aktiv zu immunisieren. Die Hoffnung dabei ist, dass sich der Körper dauerhaft gegen das auslösende Protein schützen könnte, wenn er es einmal gelernt hat. Das Problem ist jedoch, dass Beta-Amyloid kein körperfremder Giftstoff ist. Würde eine Immunisierung tatsächlich klappen, würde der Körper Bestandteile seines eigenen Gehirns attackieren. So brach denn auch das biopharmazeutische Unternehmen Elan im Jahr 2000 Experimente mit einer Alzheimer-Impfung ab, als die Test-Mäuse Hirnschwellungen und schwere Hirnhautentzündungen bekamen.

All diese Versuche haben eines gemeinsam: Sie bekämpfen die Symptome und nicht die Ursachen – und das keineswegs nur, weil die Forscher und deren Auftraggeber es nicht besser wüssten.

Die verbreitete Meinung, Alzheimer sei eine Alterskrankheit, ist falsch – aber ziemlich profitabel.

2012 erkrankten eine Viertelmillion Deutsche an Alzheimer, die Tendenz ist steigend. Dementsprechend leiden viele ältere Menschen unter der Angst, an Alzheimer zu erkranken. Diese Angst greift vielfach auch auf die Angehörigen über, denen das hohe Risiko einer Erkrankung ihrer älteren Verwandten bewusst ist. Weil unter den 76- bis 85-Jährigen mittlerweile jeder Zweite an Alzheimer erkrankt, schließen viele daraus, dass Alzheimer im Alter nun mal unvermeidlich ist. Das konnte jedoch bisher keine Studie beweisen.

In Wirklichkeit ist Alzheimer keineswegs eine zwangsläufige Begleiterscheinung des Alterns. Experimente an Mäusen mit Alzheimer-Genbelastung haben bewiesen, dass es ganz auf die Lebensbedingungen ankommt. Die Mäuse mit genügend Freiraum, artgerechter Ernährung und mentaler Stimulanz entwickelten im Alter keine Demenz, die Mäuse, denen das alles verwehrt wurde, hingegen schon.

Die Situation ist ein Beispiel für das klassische Problem von Korrelation und Kausalität. Kurz erklärt: Bis in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurden im Frühling die meisten Kinder geboren. Im Frühling kamen auch die Störche aus ihren Winterquartieren zurück. Der Zusammenhang ist also unübersehbar. Dem Kausalschluss, dass Störche die Kinder bringen, sitzen jedoch nur kleine Kinder auf. Übrigens: Seit der Einführung moderner Verhütungsmittel sind die Geburten nahezu gleichmäßig über das Jahr verteilt.

Zurück zur Alzheimer-Krankheit: Der tatsächliche Grund dafür, dass Alzheimer gehäuft im Alter auftritt, ist, dass das Gehirn bestimmte Mängel oder Schädigungen im genetischen Programm nicht mehr kompensieren kann – ursächlich ist der Alterungsprozess aber nicht.

Warum wird trotzdem an dieser Auffassung festgehalten? Ganz einfach: Weil Pharmaunternehmen und Forschung davon profitieren. Getreu dem Motto „Fear sells“ können mit der Panikmache üppige Forschungsgelder gesammelt werden. Und da nach der gängigen Meinung früher oder später jeder Mensch betroffen sein wird, werden nicht nur riesige Summen für die Entwicklung von Medikamenten bereitgestellt, sondern auch enorme Gewinne eingestrichen. Eli Lilly, einer der größten Pharmakonzerne weltweit, versprach sich noch vor der Markteinführung seines Alzheimer-Medikaments Sola einen Gewinn von vier Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Doch wenn Alter nicht die Ursache für Alzheimer ist, was ist es dann? Wie kommen die Neurotoxine ins Gehirn?

Falsche Essgewohnheiten und Bewegungsmangel sind die tatsächlichen Ursachen von Alzheimer.

Kennst du das? Um pünktlich zu kommen, machst du mehrere Dinge gleichzeitig: Du fährst Auto, trinkst Kaffee und führst dabei noch drei Telefonate. Dann verbringst du zehn Stunden vor dem Bildschirm und schaufelst bestenfalls zwischendurch etwas Fast Food in dich rein. Eine solche Lebensweise ist nicht nur stressig, sondern auch ungesund.

Beginnen wir mit dem Essen. Viele moderne Essgewohnheiten führen dazu, dass wir über die Nahrung toxische Stoffe in Konzentrationen aufnehmen, die im Hippocampus nicht mehr abgebaut werden können und so Nervenzellen zerstören.

Die Nahrung eines Steinzeitmenschen bestand hauptsächlich aus pflanzlicher Nahrung, Fleisch war selten. Das Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren war ausgewogen. Heute hat sich dieses Gleichgewicht radikal zugunsten der Omega-6-Fettsäuren verschoben, das v.a. in tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Butter und Käse enthalten ist. Diese Fettsäuren enthalten Arachidonsäure, die giftig auf Nervenzellen wirkt und sie zerstören kann.

Problematisch ist auch der hohe Zuckergehalt vieler Lebensmittel. Er führt bei vielen Menschen zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, was ebenfalls die Nervenzellen angreift. Es ist kein Zufall, dass vier von fünf Alzheimer-Patienten einen erhöhten Blutzuckerspiegel haben.

Das andere Grundproblem ist der chronische Bewegungsmangel. Rund 80% aller Jobs werden heute am Schreibtisch erledigt. Bewegung ist jedoch wichtig. Sie führt zu einer verstärkten Gehirndurchblutung, die Wachstumshormone anregt, sodass das Gehirn aktiv neue Gehirnzellen bildet. Bewegung lässt also den Hippocampus wachsen. Bewegungsmangel dagegen vermindert unsere geistige Leistungsfähigkeit und führt zur Schrumpfung des Hippocampus.

Es besteht dementsprechend ein direkter Zusammenhang zwischen Bewegung und Denkleistung. Der Steinzeitmensch musste beim Jagen nicht nur schnell sein, sondern auch höchst konzentriert, er brauchte ein gutes Erlebnis- und Ortsgedächtnis. Bei vorwiegend sitzender Tätigkeit geht hingegen der Stimulus im Gehirn verloren. Eine Studie in Seattle begleitete über zehn Jahre 2.300 Senioren. Jeder siebte wurde in diesem Zeitraum dement. Wer jedoch körperlich fitter war und regelmäßig Sport trieb, verminderte die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, um immerhin 40%!

Die Lebenswelt hat sich zwar radikal verändert, unser Gehirn hat sich jedoch noch nicht daran angepasst. Deshalb werden Dinge wie ausreichende Nahrung und fortschreitende Abschaffung körperlicher Arbeit, die wir als Fortschritt empfinden, zum Alzheimer-Risiko. Und es sind nicht die einzigen Faktoren.

Alzheimer ist eine Folge des modernen westlichen Lebenswandels.

Der technische Fortschritt hat nicht nur zur Folge, dass wir uns weniger bewegen. Auch die Kommunikationsformen ändern sich drastisch. Die vielen Informationen, die uns in jedem Augenblick erreichen, werden schnell zur Informationsflut, reale Kontakte von Mensch zu Mensch und in der Gemeinschaft nehmen dagegen ab. Dieser Entwicklung ist unser Gehirn jedoch nicht gewachsen.

So wirken viele Veränderungen, die der moderne Lebensstil mit sich bringt, geradezu toxisch auf das Gehirn. Soziale Isolation, geistige Inaktivität und Überbelastung kurbeln die Produktion des Stresshormons Cortisol im Gehirn an. Chronische Schlafstörungen z.B. führen dazu, dass Neuronen schnell überreizt sind, sodass die Synapsen zu viel Beta-Amyloid produzieren und das Stresshormon Cortisol nicht mehr abbauen können. Beide Stoffe wirken toxisch auf den Hippocampus, sie lassen Nervenzellen absterben und setzen den beschriebenen Teufelskreis in Gang.

Ein Beispiel zeigt den Zusammenhang zwischen Lebensweise und Alzheimer-Risiko besonders deutlich: Auf der japanischen Inselgruppe Okinawa leben die Menschen noch sehr traditionell. Sie ernähren sich zum großen Teil pflanzlich, haben eine starke soziale Gemeinschaft und sind bis ins Alter aktiv. Die Rate der Alzheimer-Erkrankungen ist auf Okinawa fünfmal niedriger als etwa in den USA. Zog jedoch ein Bewohner der Inselgruppe in die USA und nahm den dortigen Lebensstil an, stieg sein Alzheimer-Risiko drastisch.

Besonders wichtig für die Alzheimer-Vorsorge ist der Lebenswandel im Seniorenalter, wenn die meisten Erkrankungen auftreten. Viele Menschen ziehen sich zurück, wenn sie in Rente gehen, die sozialen Kontakte nehmen ab. Mit dem Verlust einer sinnvollen Aufgabe in der Gemeinschaft geht häufig auch der Lebenssinn verloren und das Selbstbild leidet. Soziale Isolation und Einsamkeit setzten den Hippocampus unter Stress, worauf das Gehirn mit der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reagiert.

Nehmen die Aktivitäten im Alter ab, heißt das auch ganz simpel, dass das Gehirn immer weniger zu tun bekommt und deshalb weniger Anlass hat, neue Nervenzellen zu bilden. Daraus folgt ganz klar: Jede Art geistiger Tätigkeit im Ruhestand vermindert das Alzheimer-Risiko – mit Schach oder auch Kreuzworträtseln lässt es sich um bis zu 40% senken.

Alzheimer ist also keineswegs ein Schicksal des Älterwerdens. Es ist eine Wohlstandskrankheit, die in hochtechnisierten und konsumorientierten Kulturen auftritt. Das heißt auch, dass du eine Menge tun kannst, um später nicht zu erkranken.

Neugier, soziale Kontakte und eine ausgewogene Lebensweise beugen Alzheimer vor.

Alzheimer lässt sich fast immer verhindern! Nur in 2% der Fälle ist die Erkrankung genetisch bedingt und unvermeidlich und die meisten Menschen können ihr Risiko für die Demenz aktiv senken.

Ganz wesentlich für die Alzheimer-Vorsorge ist die stetige Neubildung von Neuronen im Hippocampus. Neue Nervenzellen entstehen immer dann, wenn wir neue Erfahrungen machen, Neues erleben, neu denken. Praktisch gesehen heißt das, auch im Alter sollte man sich seine kindliche Neugier bewahren, sich neuen Aufgaben stellen und sozial eingebunden bleiben. So kann die Psychologie die Biologie übertrumpfen! Schon eine Partie Schach pro Woche vermindert das Alzheimer-Risiko beträchtlich. Sie fördert die Konzentrationsfähigkeit, die Kreativität und das soziale Miteinander.

Ebenfalls wichtig sind soziale Sicherheit und Geborgenheit. Sie führen zu einer Ausschüttung des sogenannten Kuschelhormons Oxytocin, was die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn fördert und bestehende Zellen schützt. Laut einer Studie an 231 64-jährigen weiblichen Zwillingspaaren waren diejenigen am wenigsten von Alzheimer betroffen, die immer viel mit Menschen zu tun hatten und auch nach dem Erwerbsleben sozial aktiv blieben.

Am wichtigsten aber ist es, ausgeglichen zu leben und die natürlichen Bedürfnisse des Körpers und des Geistes zu befriedigen. Eine ausgewogene und vollwertige Ernährung gehört ebenso dazu wie Bewegung und Selbstachtung. So werden genügend geistige Reserven aufgebaut, die das Stresslevel reduzieren, den Hippocampus wachsen lassen und die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Erkrankung reduzieren. Auch Meditation ist eine gute Methode, um das neurotoxische Cortisol abzubauen und die Neurogenese zu aktivieren.

Trotzdem: Alzheimer vorzubeugen, bedeutet nicht, auf alles Bequeme zu verzichten. Ein Stündchen vor dem Fernseher ist ebenso unschädlich wie ein gelegentliches Stück Kuchen. Es kommt wie so oft auf die richtige Dosis an. Und noch eine gute Nachricht: Wein hat einen hohen Anteil an Antioxidantien, die bei der Bekämpfung von schädlichen Stoffen im Körper, den freien Radikalen, helfen. Ein halbes Glas pro Tag regt den Energiestoffwechsel an und wirkt neuroprotektiv. Ein Leben mit geringem Alzheimer-Risiko kann also durchaus Spaß machen.

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